Interview: Stars On 33

Disco ist zurück - so intensiv wie noch nie

Wenn sich namenhafte Künstler der Dance-Szene zusammentun, um ihrer Liebe zum Discosound der 70er  und 80er Jahre zu huldigen, lässt das große Dinge erwarten. Und die Produzenten Kris Menace und Radical Peterson haben mit dem New Yorker Sänger Lawrence LT Thompson genau den richtigen Mann für dieses Projekt gefunden. "This Is Love" ist das erste Album von Stars On 33, und nach eigenen Angaben sind ihre größten Vorbilder bei dieser Produktion Bands wie Earth, Wind & Fire, Imagination und Chic.
Wer nicht ganz genau hinhört, könnte meinen dieser Longplayer ist tatsächlich ein verlorengegangenes Kleinod, das jetzt erst entdeckt wurde. Tracks wie "LUV" oder "That Lady Is Magic" sind pure Disco-Magie, während "Shake Your Tail" schon fast an P-Funk erinnert. Und auch die Ballade "Strangers" fügt sich problemlos in das ansonsten eher tanzorientierte Albumgefüge ein. Mit der ersten Single "Movin’ On" bedienen Stars On 33 obendrein auch Freunde des 80er Synthiepop, ohne ihren souligen Ansatz aufzugeben. Man kann von der ersten Minute an hören, dass es sich bei "This Is Love" um ein Album handelt, das aus Liebe zur Musik entstanden ist, und sich nicht an kommerziellen Aspekten orientieren muss. So toll und modern kann eine Retrospektive klingen. Disco-House der neuen Generation fern ab vom Mainstream. Für ein paar Einblicke in das Treiben von Stars On 33 stand Produzent Radical Peterson Rede und Antwort.

Die Aufnahmen wirken aufgrund der Instrumentierung angenehm organisch, ohne die entsprechende Portion Discopower zu verlieren. Inwiefern schöpfst du aus dieser Zeit der Disco-Welle Energie bzw. Kreativität?
In der Tat haben wir den Großteil der Tracks mit echten Instrumenten eingespielt, um sie anschließend digital zu editieren und somit die Verbindung zur Jetztzeit herzustellen. Lediglich den Sound der damaligen Ära zu reproduzieren zu versuchen, hätten wir als wenig inspirierend empfunden. Die klangliche Philosophie der Disco-Siebziger mit dem Druck von heute zu verknüpfen, stellte sich während des Entstehungsprozesses schnell als unser Konzept für Stars On 33 heraus.

Das erste Album von besinnt sich einerseits auf die Good Old Disco Days und geht dennoch einen Schritt weiter, strotzt vor House-Elementen und hat einen kräftigen Drive. Wie wichtig war euch diese Kombination?
Es entstand aus sich heraus, wobei wir bereits zu Beginn der Produktion großen Wert darauf legten, bei jedem Titel zunächst mit einer echten, beinah klassischen Popsong-Komposition zu beginnen, also die Songsubstanz als Basis zu nehmen - und erst dann das passende Gewand zu suchen. Nie starteten wir mit einem Drumpattern oder Sample oder ähnlich Vorgefertigtem, sondern entwickelten zuallererst ein Riff oder Bass-Lick oder eine Refrainmelodie.

Die Tracks bewegen sich nicht nur in den Tempi und Harmonien in unterschiedlichen Landschaften, auch die Stimmung ist nicht zuletzt durch die Vocals ganz unterschiedlich. Inwiefern entstehen solche unterschiedlichen Songs - während einer Jamsession oder bereits vorab im Studio?
Lawrences Vocals sind ganz entscheidend für die stilistische Vielfalt des Albums. Durch ihn war es uns möglich, eine breite musikalische Palette abzudecken, da wir stets wussten, seine Gesangsperformance würde jeden Style, an dem wir uns versuchten, tragen. Und es muss noch gesagt werden: Die Bandbreite von Lawrences Ausdruckskraft ist mit den Tracks auf "This Is Love" noch lange nicht ausgeschöpft …

Wie bewusst arbeitest du an der Dramaturgie (wenn man es so nennen mag) eines Tracks, wie z.B. "Something I Can Feel"?
Kris ist für Struktur und Dramaturgie eines Songs am meisten verantwortlich. Ihm sind der Großteil der überraschenden Wendungen und die großartige Dynamik der Nummern zu verdanken. Meine Rolle besteht eher im Generieren von Output melodischer Parts und Hooklines. Mr. Arbeitstier Menace schustert meine bescheidenen Beiträge dann zusammen und gibt dem ganzen Wahnwitz Sinn.

Gab es stilistische Elemente die ihr auf jeden Fall vermeiden wolltet?
Das war das Schöne an der Arbeit für Stars On 33! Wohingegen die meisten Bands und Künstler heutzutage eher größte Sorgfalt darauf verwenden, bloß nichts falsch zu machen, um bloß nicht irgendeinen szeneaffinen Coolheits-Nimbus zu verletzen, haben wir auf alles gepfiffen und einfach gemacht, worauf wir Lust hatten. Keine angsterfüllten, selbstzensorischen Filter. Einfach drauflos.

Die Tracks zeigen ganz im Sinne der Discohistorie eine sehr dynamische Ausrichtung und reißen oftmals schon während der ersten Taktschläge mit auf die Tanzfläche. War das Album von Anfang an für die Tanzfläche ausgelegt?
Ehrlich gesagt glaube ich, dass heutzutage nahezu jede Musikrichtung, äh, grooven muss und mehr oder weniger Dancefloor-kompatibel zu sein hat. Von daher lautet die Antwort vermutlich Ja, auch wenn wir uns das nicht explizit auf die Fahne geschrieben haben. Jeder Titel muss dich sowohl im Herzen bewegen, als auch so stark als möglich kicken.

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Johannes Windisch